Schlickerguss
Die sorgfältig vorbereitete Gießmasse darf jetzt auch verarbeitet werden. Wir nutzen dafür das Schlickergussverfahren. Der Name verrät es schon: Hierbei gießen wir flüssige Porzellanmasse in Gipsformen. Hört sich einfach an, braucht aber wie alles in der Porzellanherstellung ein wenig Zeit, Geduld und Feingefühl.
Die benötigten Gipsformen haben wir vorher selber hergestellt. Wie das funktioniert, kannst du dir hier nochmal anschauen. Diese werden im ersten Schritt einmal mit Wasser ausgewischt, damit sich kein Staub mehr in der Form befindet. Anschließend stellen wir die Form auf eine Renderscheibe, das ist eine Scheibe, die sich manuell drehen lässt. Jetzt kommt schon die Porzellanmasse ins Spiel. Die Gipsform kriegt einen kleinen Anstoß nach rechts oder links, damit sie in Bewegung kommt. Dann wird das Porzellan in die sich drehende Form eingegossen. Die Masse darf dann ca. 3–5 Minuten in der Form schwimmen.
Die genaue Zeit hängt vom Saugverhalten der Form ab, welches einmal vom Mischverhältnis des Gipses abhängt, aber auch davon, wie oft die Form hintereinander eingegossen wird. Wir machen also als allererstes ein paar Tests, um die perfekte Zeit für unsere gewünschte Wandstärke herauszufinden. Aber was passiert eigentlich genau mit der Masse und der Gipsform?
Der Gips hat die tolle Eigenschaft, sehr schnell und viel Wasser in sich aufzunehmen. Das sorgt dafür, dass der Porzellanmasse an den Stellen, wo sie mit Gips in Berührung kommt, das Wasser entzogen wird. Dadurch bildet sich eine Schicht am Rand der Form, die fester wird als der Rest der Masse. Gießt man nun die restliche Masse wieder aus der Form aus, bleibt eine Wandstärke stehen.
Damit diese Wand möglichst gleichmäßig ist und keine ungünstigen Spannungen im Scherben entstehen, muss die Form bis zum Ausgießen in Bewegung gehalten werden. Also kurzer DJ-Gig und die Formen immer wieder in die eine oder andere Richtung anschubsen. Ist die Zeit rum, wird ausgegossen. Das sollte im 45°-Winkel passieren, damit die Ausgussfläche möglichst klein ist und sich im Idealfall keine Nasen auf dem stehenbleibenden Porzellan bilden. Jetzt ist wieder gutes Timing gefragt, um den Rohling reibungslos aus der Form zu bekommen. Sobald alle glänzenden Stellen am Porzellan matt geworden sind, wird zuerst vorsichtig am Gießring entlang geschnitten, damit dieser abgehoben werden kann. Der überstehende Rand wird ebenfalls vorsichtig, aber zügig abgeschnitten. Wird zu früh abgeschnitten, ist das Porzellan noch zu weich und kann durch das Messer verformt werden. Lassen wir aber zu viel Zeit vergehen, ist das Porzellan schon zu trocken und kann einreißen.
Danach ist wieder Warten angesagt, bis sich das Porzellan von der Gipsform löst und aus der Form gehoben oder auf eine Gipsplatte gestürzt werden kann. Aber Vorsicht: Wenn das Porzellan dabei zu grob angefasst und verformt wird, lässt es sich nicht mehr zurück in die Ausgangsform bringen. Porzellan hat ein Gedächtnis sagt man. Das bedeutet, dass es sich Verformungen jeglicher Art quasi merkt. Selbst wenn wir es direkt wieder in die ursprüngliche Form drücken, kommt die Deformierung beim Trocknen oder spätestens im Brand wieder zurück. Deshalb lassen wir unsere Teller auch teilweise direkt in der Form durchtrocknen, um sie so wenig wie möglich zu berühren. Nun dürfen die Teile erstmal einen Tag in Ruhe trocknen, bis sie im nächsten Schritt verputzt werden.