Gipsformen
Bevor wir überhaupt Porzellan in die Hand nehmen, beschäftigen wir uns erstmal ausgiebig mit Gips. Wir brauchen nämlich eine Form, in die wir später eingießen können. Diese Formen werden aus Gips gefertigt und wenn wir sie optimal herstellen, können sie ca. 60 Mal eingegossen werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen. Im ersten Schritt stellen wir ein Modell her, über welches wir dann die Form gießen können. Dafür müssen wir unsere festgelegten Formen und Maße für das fertige Porzellanobjekt um 14 % vergrößern. Das liegt daran, dass das Porzellan in den Bränden schrumpft und wir das in unserer Gießform mit einberechnen müssen. Mit den vergrößerten Maßen schneiden wir uns eine Schablone zurecht. Die Schablone stellt die äußere Silhouette des Porzellanobjekts dar. Jetzt darf der Gips ins Spiel kommen. Wir arbeiten beim Gipsdrehen an einer Drehscheibe. Auf der Drehscheibe wird eine Verschalung gebaut, die schon möglichst nah an die Endmaße des fertigen Modells herankommt, um nicht allzu viel Gips abtragen zu müssen. Wenn der Gips eine standfeste Konsistenz erreicht hat, wird die Schale abgenommen und die Schablone hat ihren Auftritt. Mit der Schablone versuchen wir schon, so sauber und nah wie möglich an die fertige Form ranzukommen. In dem Prozess haben wir nur sehr begrenzt Zeit, den Gips zu bearbeiten, da die Masse nach kurzer Zeit schon zu sehr abgebunden hat und dann die Oberfläche beginnt aufzureißen. Also gilt hier: Lieber früher Schluss machen und später nachbearbeiten, statt zu lange weitermachen und eventuell nochmal von vorne anfangen. Sind wir mit der Arbeit mit der Schablone fertig und mehr oder weniger zufrieden, lassen wir den Gips zu Ende abbinden. Dass der Gips weiter abbindet, merken wir an seiner Temperatur. Durch die Reaktion mit dem Wasser und die dadurch freigesetzte Energie wird der Gips zunehmend warm und kühlt dann wieder aus. Ist das Modell wieder abgekühlt, können wir anfangen, es nachzubearbeiten. Das machen wir mit mithilfe von Abdreheisen, Klingen, Gaze und Schleifpapier. Abdreheisen sind verschieden geformte Metallklingen, die am Ende eines Holzstabs befestigt sind. Damit können wir das Modell in seine finale Form drehen. Wenn die Form und Maße stimmen, versuchen wir, das Modell mittels Schleifpapier und Klingen so glatt und makellos wie möglich zu bekommen. Jetzt haben wir ein positives Modell unserer Form. Wir brauchen allerdings eine Negativform, um das Porzellan gießen zu können. Dafür formen wir das Gipsmodell im nächsten Schritt nochmal ab. Wenn das Modell ein wenig getrocknet ist, tragen wir ein paar Schichten Schellack auf, um zu verhindern, dass der Gips noch Wasser ziehen kann und sich nicht mit dem Gips, den wir über das Modell gießen, verbinden kann. Für den gleichen Zweck wird das Modell noch mehrmals mit Flüssigseife und Fettseife behandelt. Dann können wir schon wieder eine Verschalung um das Modell herum bauen. Die Gipsform soll am Ende etwa 3 cm Wandstärke rundum haben. Also wie gehabt den Gips anrühren und über das Modell in die Verschalung gießen. Ist der Gips standfest, nehmen wir die Schale ab und ziehen die Form mit einer Ziehklinge glatt. Dabei versuchen wir schon, scharfe Kanten zu brechen, damit die Form möglichst wenig Ecken hat, die später abbrechen können. Falls unser Modell Hinterschneidungen hat und wir es nicht einfach nach oben aus der Form heben können, müssen wir die Form aufsprengen. Kurz erklärt bedeutet das, dass wir uns vorher auf der Oberseite des Modells markieren, wo die Form geteilt werden muss, um es am Ende aus der Form rausholen zu können. Anschließend sägen wir so nah wie möglich an unser Modell ran und stecken Keile in die Einschnitte. Die Keile treiben wir mit einem Hammer vorsichtig weiter rein, bis sich die Form teilt. Nach dem Aushärten der Form drehen wir sie um und verpassen ihr noch einen Gießring. Dafür drehen oder schnitzen wir sogenannte Schlösser in die Form, damit der Ring am Ende stabil auf der Form sitzt. Der Rand wird wieder mit Flüssig- und Fettseife geseift und wir bringen nochmals eine Verschalung an. In der Mitte platzieren wir einen angeschrägten Kegel für die Öffnung des Gießrings. Nochmal Gips anrühren, in die Schale gießen und nach dem Andicken glattziehen. Jetzt nehmen wir das Modell aus der Form und waschen sie gut aus, um Seifenreste zu entfernen. Im letzten Schritt können wir noch kleine Unebenheiten mit Schleifpapier glätten und endlich haben wir eine fertige Gipsform. Die können wir, wenn sie vollständig getrocknet ist, mit Porzellan ausgießen. Wie das funktioniert, erklären wir dir hier!